Zum Thema
"...ein gebrauchtes, altes Spinnrad kaufen oder zum Beispiel es billig ersteigern..."

gibt es aus verschiedenen Blickwinkeln Bedenkenswertes anzumerken.

Bei Versteigerungen im Internet gibt es ein großes Angebot an alten und
gebrauchten Spinnrädern. Dort gibt es nun alles, was man sich vorstellen kann, von total kaputten und unvollständigen, bis zu voll funktionsfähigen Spinnrädern.
Nicht alle Spinnräder sind von wirklichen " Fachleuten" gefertigt. Da hat schon
der ein oder andere Hobby-Drechsler sich versucht. Und das kann sich dann schon deutlich auf die Funktionstüchtigkeit des Spinnrades auswirken.

Und wer weiß schon in der wievielten "Ehrenrunde" durch das Versteigerungs-
portal das als " Dachbodenfund" oder Ähnliches deklarierte Spinnrad sich
befindet. Das ist so wie beim " Schwarze Peter " -Spiel. Wahrscheinlich gibt
es nicht wenige eigentlich am Spinnen interessierte , die nach so einem
mißglückten Kaufversuch die Lust am Spinnenlernen verloren haben und das ist
wirklich schade.
Ein Spinnrad funktioniert nämlich nur gut, wenn ganz viele  Maße der einzelnen
Bestandteile des Spinnrades im richtigen Verhältnis zueinander stehen.
Ob man da nun wirklich gut und günstig kauft, hängt sehr von dem beabsichtigten
Zweck der Anschaffung ab. Hierzu ein paar Anmerkungen:

-Allen, die für Dekorationszwecke auf diesem Wege ein billiges Spinnrad erlangen wollen, ist grundsätzlich zuzuraten.
Es gibt bei den Auktionen wirklich eine große Vielfalt an Spinnradtypen- und
Ausführungen, große dekorative Spinnräder ,alte und als "antik" bezeichnete
Spinnräder und auch ganz modern und sparsam in der Form gearbeitete.
Bei zu Dekorationszwecken gekauften Spinnrädern kommt es ja weniger auf die Funktion an, sondern der optische Eindruck oder auch nostalgische Werte
stehen meist im Vordergrund.
Allerdings sollte man den Zustand der Spinnräder schon erfragen. Wenn der
Holzwurm sein Werk schon getan hat, dann fällt einem eventuell beim Auspacken
alles auseinander.
Deshalb sollte man in diesem Fall auch beim Verkäufer nachfragen, wie der optische Zustand ist und ob Wurmfraß zu erkennen ist.
Weiterhin ist die Frage nach Vollständigkeit des Spinnrades geraten. Ganz oft
werden völlig unvollständige Spinnräder sogar als funktionstüchtig ausgegeben.

-Gut hinzuschauen und Fragen zur Funktion und Vollständigkeit zu stellen, ist allen anzuraten, die schon gut spinnen können und vielleicht ihre Spinnradsammlung erweitern möchten. Es gibt unzählige Typen von Spinnrädern.
Wer da was ganz Ausgefallenes sucht, kann schon mal Glück haben.
Sollten Teile, wie zusätzliche Spulen fehlen, dann lassen sich diese meistens
nacharbeiten. Auch vom Holzwurm zerfressene Beine sind oft ersetzbar. Sollte
aber der Spinnflügel beschädigt oder gar weg sein, dann ist Vorsicht geboten.
Die Spindeln sind zumeist in individueller Handarbeit hergestellt und das "Soll"
(der Antrieb für den Flügel) ist mit einem nicht genormten Linksgewinde
versehen.
Kaum eine Metallwerkstatt ist heute dazu in der Lage, dieses nachzuarbeiten und
auch ein Flügel von einem anderen Spinnrad passt fast nie.
Allen Anfängern, die ohne persönliche Anleitung das Spinnen erlernen
wollen, ist vom Kauf eines alten Spinnrades grundsätzlich abzuraten.

Manch einem alten Spinnrad ist auch von versierten Spinnern kaum ein ordentlicher Faden zu entlocken. Ein guter Spinner weiß dann, dass es nicht an ihm, sondern am Spinnrad liegt. Das kann aber ein Anfänger noch gar nicht  einschätzen. Und die erste Hürde ist damit so hoch, dass schnell aufgesteckt wird. Die weit verbreitete Meinung, dass das Spinnen schwierig zu erlernen ist,
liegt oft an schlecht funktionierenden Spinnrädern.
Alte Spinnräder kommen oft nicht aus der Tradition des Wollespinnens, sondern
auf ihnen wurde häufig Flachs gesponnen.
Außerdem ist heutzutage eine ganz andere Wollqualität angestrebt. Früher waren
oft dünne, hart gedrehte Garne für haltbare Socken  das Ziel des Spinnens.
Heute hingegen wünscht man sich dickes, lockeres Garn für weiche Pullover und
Jacken.

Von besonderer Bedeutung ist auch
Größe des Einlasses im Flügel.
Ein Durchmesser von 10mm am Einlass ist schon nötig. Bei älteren Spinnrädern,
die oft aus der Tradition des Flachsspinnens kommen, findet man vorwiegend
sehr kleine Einzugsöffnungen. Feine Sockenwolle kann man damit gerade noch
spinnen, aber dicke Wolle für Jacken und Pullover lässt sich damit nicht
herstellen. Moderne Spinnräder tragen den heutigen Wünschen oftmals eher
Rechnung.

Wichtig ist auch die
Garnkapazität der Spulen. Viele Spinnradhersteller
fertigten früher aber auch noch heute Spinnräder mit kleinen Spulen. Auf die
kleinen Spulen bekommen Sie aber nicht viel gezwirnte Wolle drauf. Und als
Ergebnis haben Sie dann im Gestrickten alle paar Reihen einen Knoten. Bei
größeren Spulen können Sie gut und gerne 200-300 Gramm auf eine Spule
bekommen. Wollen Sie Wolle für Jacken und Pullover spinnen gilt es diesen
Punkt schon zu bedenken.

Bei den meisten alten Spinnrädern ist eine wirklich fachkundige Anleitung für
Anfänger wichtig. Dies gilt besonders für Spinnräder, die zweifädig angetrieben
werden und ein so genanntes "Stoßtrittbrett" haben. Hier kann das Spinnrad
nicht langsam angetrieben werden, was aber für Anfänger wichtig wäre.

Mit dem " zwingenden Einzug " ,(sowohl die Spule, als auch der Flügel werden
angetrieben ),kommen Anfänger zumeist schlecht oder gar nicht zurecht. Von
den noch ungeübten Händen wird einfach ein viel zu hohes Tempo in der
Fadengestaltung verlangt.
Die Folge ist, daß das Garn ständig reißt und wohl jeder ohne Anleitung schnell
die Lust verliert. Darum sind diese Spinnräder für Anfänger eigentlich nicht zu
empfehlen.

Zusammenfassend läßt sich folgendes sagen:
Für Anfänger ohne gute Anleitung sind zweifädig (Spule und Spinnflügel werden
getrennt voneinander angetrieben) angetriebene Spinnräder oft problematisch.
Dieser "zwingende" Einzug  erfordert ,daß Hände und Füße gut koordiniert mit-
einander funktionieren.
Einfädig angetriebene Spinnräder lassen dem Anfänger mehr Spielraum.
Hände und Füße können am Anfang langsam arbeiten, ohne daß der Faden
ständig reisst.
 

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